Der Käse und die Ausserirdischen
Lö Trösenbeck, leidenschaftlicher Ufologe im Nebenamt, wurde wieder einmal um seine Expertenmeinung zum Thema "Ausserirdische" gefragt:
Das Vuvuzela-Manifest
"Verflucht sind die Fernsehkommentatoren, die das Summen der Vuvuzela dauerverurteilen...! Dieser Haufen neokolonialistischer, rassistischer Europäer sollte so schnell wie möglich aus den Reporter-Kabinen entfernt und auf den Mond geschossen werden. Muss man einen Putzschwamm statt einem Gehirn zwischen den Ohren haben, wenn man Fernsehsprecher werden will?"
Das sind die Gedanken Lö Trösenbecks nach dem Konsum der ersten WM-Spiele. Er liebt sie nämlich, die Tröte aus Südafrika... und wäre gern im Besitz einer solchigen.
Mit der Hoffnung, jemand lese diese Zeilen, erbarme sich seiner und schicke ihm sofort dieses wunderbare Flöteninstrument, hat Lö Trösenbeck nun das Manifest der Vuvuzela erschaffen:
1. Der Ton der Vuvuzela ist der Urton und soll deshalb auch gebührend verehrt werden.
2. Der Ton der Vuvuzela im Chor ist die Stimme Gottes und Satans in einer Person und soll deshalb mit Bier und Pommes Chips beräuchert werden.
3. Die Form der Vuvuzela ist sexuelle Erfüllung für Frau und Mann und soll deshalb zur Herstellung des ewigen Friedens und der ewigen Liebe verwendet werden.
4. Die Handhabung der Vuvuzela ist Kunst und Banalität zugleich und soll deshalb zur Basis aller Erziehung werden.
5. Die Symbolkraft der Vuvuzela ist die Hoffnung der Globalisierung von Unten und soll deshalb mit Respekt und Würde behandelt werden.
6. Es lebe die Vuvuzela. Hurra, hurra, hurra. Es lebe die Vuvuzela. Olé Ola Oh Cha Cha Cha...!
Lö Trösenbeck freut sich auf Geschenke... und empfiehlt denjenigen, die der Klang der Vuvuzela nicht völlig erfüllt, einen Besuch auf der neuen norient-Webseite, wo noch ganz anderes Wunderbares aus der Klangwelt Südafrikas entdeckt werden kann.
Hoffnung aus dem Hinterwald
Nach einer durchzechten Freitagnacht in der Aussenwelt - Lö Trösenbeck zeigte seine Retropornofilm-Sammlung anlässlich einer Schliessungszeremonie eines ehemaligen Sex-Kinos und wurde mit sehr viel Alkohol dafür belohnt - verbrachte der Schreiber dieser Zeilen den Samstagabend im inneren Exil vor dem Fernsehapparat. Obwohl Teilzeit-Faghag schaffte es Lö Trösenbeck nicht, nur eine Sekunde seines Lebens an die musikalischen Darbietungen am diesjährigen Eurovision Song Contest zu vergeuden, verpasste aber keine Minute der abschliessenden Länderjurierung der Schlager. Jeweils ein zeithistorisches Phänomen, das schon vorher spannende Fragen aufwirft: Wird Israel dem deutschen Favoriten eine Stimme geben? Erhält der ebenfalls als Tophit gehandelte Beitrag der Türkei die Stimmen aus Armenien? Und wird Grossbritannien auch nur eine Stimme aus Irland erhalten?
Das Resultat spricht Bände: Der EURO-Rettungspilot Deutschland wird belohnt dafür, die Deutschmark nicht wieder einzuführen (auch ohne Stimmen aus Israel*). Das europäische Land Türkei wird Nummer Zwei (auch ohne Stimmen aus Armenien). Und Grossbritannien wird Letzter (trotz vier Stimmen aus Irland). Und das Land der Berge? Herr von der Heide, Repräsentant, hatte es nicht einmal in den Final des Schlager Wettbewerbs geschafft, war sogar auf dem letzten Platz in der Vorausscheidung. Das Steuerhinterziehungsgeheimnis macht die Schweiz nicht beliebter. Dafür wird jetzt gemunkelt, der neue SRG-Direktor Roger de Weck spreche persönlich bettelnd beim deutschen Eurovisionshelden Stefan Raab vor: Der Unterhaltungshirte Raab soll nach dem Erfolg seines Lämmchens Lena auch sein Schäfchen Stefanie Heinzmann aus dem Schweizer Hinterwald erfolgreich an den Eurovisionswettbewerb bringen. Diesmal für die Schweiz! Die Schlagerfans aus dem Land der Berge dürfen wieder einmal hoffen. Die Stefanie soll eine Re-Make des Eurovisionshits "Swiss Lady" von Pepe Lienhard machen... in einer hippen Kuduro-Baile-Funk-Grime-Version...! Die Stimmen aus Portugal und England sind garantiert.
*Dürfen die Palästinenser beim Eurovision Schlagerwettbewerb auch stimmen?
Fussball-WM-Alarm für Schweden & Schweizer
Die Fussball-WM naht... ja, Fussball ist schön, findet auch Lö Trösenbeck. Das Einzige, was nervt, sind die pseudo-coolen Hobby-Patrioten und Patriotinnen, die bald wieder mit diesen Nationalflaggen-Shirts durch die Fanzonen der Welt wandeln. Am Meisten nerven den Trösenbeck seine eigenen Landsmänner und -damen, mit ihren Schweizer Flaggen. Statt Jammern, schafft Trösenbeck Abhilfe mit einem eigens kreierten T-Shirt.
Er würde sich freuen, wenn er bei dieser Aktion unterstützt wird. Kaufen Sie ein Shirt hier. Danke und viel Spass in der Fanzone...!!!
Land der Verbote
Lö Trösenbeck hasst zwar den Karneval, ist aber immer wieder erfreut, wenn mit ein wenig Verschleierung das Männerherz geneckt wird. Ist die Verschleierung erzwungen, insbesondere aus religiös-patriarchalischen Gründen, muss auch Trösenbeck eingestehen, dass darob in ihm ein wenig Ärger kocht. Die Burkas und Tschadors der Musliminnen, die langen Röcke der fundamentalistischen Christinnen oder die langen Ärmel und Perücken der ultraorthodoxen Jüdinnen passen besser in den Kleiderschrank als auf die Strasse. Eine Ausnahme bildet der Turban des Sikh. Welch Pracht! Lö Trösenbeck wär gerne Sikh.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, über Gott sowieso. Aber die im Moment laufende Debatte Europas über das so genannte Burka-Verbot ist hirnrissig. Im Land der Berge sind Trägerinnen einer Ganzkörperverschleierung gern gesehene Gäste in Juwelierläden. Unter den Schleiern sollen laut Gerüchten Edelsteine in Millionenhöhe blitzen. Im europäischen Alltag hat Lö Trösenbeck jedoch noch nie eine Ganzkörperverschleierte gesehen. Sichtungen fanden auf seinen Ausflügen nach Ägypten, Süd-Beirut und Malaysia statt, allerdings war auch dort nur eine winzig kleine Minderheit der Damen von Kopf bis Fuss verhüllt. Ein Burka-Verbot in Europa ist also fast so absurd wie ein Burka-Verbot in einem muslimischen Land.
Wahrscheinlich ist ein solches Verbot ebenso sinnvoll wie ein Verbot von Sex in Gummistiefeln. Politiker aber befassen sich gern mit Nebensächlichkeiten, um sich nicht um gravierende Probleme kümmern zu müssen. Opfer werden dann meist Bevölkerungsminderheiten. Das ist heute fast gleich wie vor einem Dreivierteljahrhundert.
Eines dieser kaum beacheteten grossen Probleme Europas ist der wachsende Nationalismus. Wäre es nicht sinnvoll, nationale Symbole zu verbieten? Im Land der Berge könnte man Schweiz-Symbole verbieten: Kreuze, Edelweisse und der ganze Kram. Tulpen aus der holländischen Tourismus-Werbung verbannen. In Spanien den Stierkampf abschaffen. Europa würde vieleicht gerettet.
Die Gewalt des Geldes
Zeni ist ein altes japanisches Wort für Geld, Geva bedeutet Gewalt. Während die Finanzkrise weiter wütet und immer öfter zu Mord und Totschlag führt, ist die wunderbare japanische Heavy Metal Band mit eben diesem Namen wieder unterwegs in Europa. Im Gepäck ein wunderliches Live-Album. Auf der Bühne der Wahnsinn. Freude pur. Und das obwohl sie nur ihre Hits aus dem letzten Jahrtausend spielen.
Ganz legal und gratis gibt es Zeni Geva Lieder auf der Webseite von Alternative Tentacles , wo die Musikgruppe in den Neunziger Jahren mehrere Platten veröffentlichte. Lö Trösenbeck wünscht dunkles Vergnügen...!
Bümpliz derrière la lune…
"A Bümpliz derrière la lune", also auf Bümpliz hinter dem Mond, gehen die Welschen, die französisch-sprechenden Schweizerinnen, wenn sie ans Ende der Welt reisen, an die Orte, wo sich Fuchs und Hase Gutenacht sagen.
Das real-existierende Bümpliz allerdings ist mittendrin. Wohl kaum ein Quartier in der Schweiz, das globaliserter erscheint. Gleichzeitig ein Stück heile Schweiz. Urban. Ländlich. Agglomeration und Stadt zugleich - wie fast überall, bewegt man sich im bevölkerungsreichen Mittelland Helvetiens. Hochburg der rechtsextremen Schweizerisch Völkischen Partei, aber auch wunderbar multikulturell. Und grün. Und rot. Und - last, but not least - immer wieder von Schweizer Popstars besungen.
Über dieses Quartier werden in letzter Zeit immer wieder Filme gedreht. Das wohl erste grössere Werk zum berühmt-berüchtigsten Stadtteil der Schweizer Hauptstadt Bern entstand vor etwa sechs Jahren. Lö Trösenbeck hat damals am Drehbuch mitgebastelt und deutsche sowie englische Untertitel für die DVD gedichtet. Ein paar Exemplare des Films sind immer noch erhältlich: à Bümpliz derrière la lune oder an dieser Adresse: Bümpliz. Und hier ein kleiner Einblick:
Wo sind die moralischen Apostel?
Ein seltsamer Zustand herrscht im Land der Berge, wo Lö Trösenbeck nach kurzer Flucht, wieder Einzug gehalten hat. Das igelige Paradies im Herzen Europas ist empört - oder zumindest ein Grossteil der raubkapitalismus-freundlichen Mehrheit der Regierung und des Parlaments. Empört, weil die Nachbarn aus dem Norden Diebesgut zurückfordern. (Und dafür selber einen Dieb angestellt haben.)
Warum dieses Entsetzen, fragt sich der hier Schreibende. Im von der christlichen Moral geprägten Land lernt man schon im Kindergarten, "du sollst nicht stehlen" (Exodus 20,2-17 im Buch Moses). Wenn das kleine Kind ein Spielzeug, das dem gesamten Kindergarten gehört, nimmt und an einen anderen Ort bringt, gehört das Spielzeug nicht automatisch dem Kind. Wenn also jemand - und hier handelt es sich nicht um ein mittelloses naives Kind, sondern meistens um einen steinreichen, gewievten Bonzen - Steuergeld in ein anders Land schleppt, damit er die Gemeinschaft nicht damit beglücken muss, ist er ein Dieb. Und wenn der Bestohlene einen Dieb beauftragt, das Geld zurück zu holen, weil das Land mit dem versteckten Geld sich weigert, gestohlenes Geld freiwillig rauszurücken, ist das doch moralisch nicht so schlimm, oder?
Aber nein, im Land der Berge heulen die moralischen Apostel über die Unverschämtheit der Bestohlenen. Es ist beschämend.
Viva Lo-Fi-Filmmaking…!
Aus der Not, kaum einen Groschen in der Tasche zu tragen, aber sich trotzdem gerne als Filmschaffender zu betätigen, hat Lö Trösenbeck die "NORIENT STYLE FILMMAKING"-Doktrin entworfen. Folgt ein verarmter, aber leidenschaftlicher Filmemacher diesem kleinen Regelwerk, entstehen meist die wundervollsten Werke. Und so lautet das Regelwerk:
1. Teures Equipment ist sinnlos. Als Norient-Style-Filmemacher begibt man sich gerne in gefährliche Situationen. Teure Mikrofone werden gerne gestohlen. Ab und zu gibt es wüste Schlägereien oder zärtliche Intimitäten, die sich mit kleinen Handycams viel besser filmen lassen als mit schweren Schulterkameras. Und sowieso, die Sonne oder das Neonlicht sind zwar manchmal giftig, dafür aber ehrlicher als Scheinwerfer.
2. Das Schreiben von Filmfördergesuchen sollte weitaus weniger Zeit in Anspruch nehmen als das Rumhängen mit potentiellen Protagonistinnen des Films. Erlaubt ist der Konsum jeglicher Drogen und Getränke sowohl beim Gesuchschreiben als auch beim Rumhängen. Spannend sind Filme aber meistens erst dann, wenn soviel Protagonistenrumhängerei statt gefunden hat, dass alles erzählt wird, auch wenn die Kamera läuft. Eine Produktion kann noch so teuer sein, Vertrauen zwischen Filmemacherinnen und Gefilmten kann nicht gekauft werden.
3. Das Filmteam ist so klein, dass es in einem Fiat Cinquecento Platz findet. Je intimer der filmische Rahmen desto spannender die Geschichten, die erzählt werden. Und ein Fiat Cinquecento bietet optimale Gelegenheit dazu.
4. Voice-Over von einem anonymen Sprecher oder von einer angeheuerten Schauspielerin sind verpönt, denn sie vermitteln den Eindruck, es gebe einen Gott, der alles erklären kann. Wenn es überhaupt
Göttinnen und Götter gibt, dann sind dies die Protagonistinnen und Darsteller. Also soll das Wort nur ihnen gehören.
5. Spass muss sein. Auch im globalen Chaos ist der Witz das schönste Gedicht.
Natürlich dürfen, müssen und wollen die Regeln gebrochen werden. In Kürze findet in Trösenbecks Wohnort das 1. NORIENT MUSIKFILM FESTIVAL statt. Betrachtet man den folgenden Trailer, hat man den Eindruck, Lö Trösenbecks Doktrin sei Grundlage der Kuratoren gewesen...
Auf und davon in den NORIENT
Lö Trösenbeck hat verzweifelt versucht, seinen Schweizer Pass in einen schwedischen umzutauschen. Leider hat er keinen Schweden gefunden, der so klein und dunkelhäutig wie er ist und dessen Pass den Tausch ermöglichen würde. Also bleibt nur die Flucht. Das Ziel: der NORIENT...
Für alle, denen die Flucht nicht gelingt, hilft das erste norientalische Musikfilmfestival (Details, siehe links). Lö Trösenbeck hat einiger der Filme ausgewählt und auch eine Geschichte zum NORIENT geschrieben, einmal mehr exklusiv veröffentlicht im Montasblatt Megafon.
Nun muss Trösenbeck den Korken lösen... es herrscht Silvester und Lö schreit "Hurra, hurra, hurra, 2010 ist schon fast da...".



