Grüsse aus Globocity (7)
Lö Trösenbeck hört ein Krachen und erlebt, wie Globocity in sich zusammen fällt. Plötzlich steht er in einem Trümmerfeld, auf dem Friedhof des Wachstums. Globocity ist am Ende.
Natürlich nur temporär. Es dauert nur wenige Sekunden, dann beginnt die Stadt wieder zu wachsen.
Globocity befindet sich in der Endlosschlaufe. Lö Trösenbeck verlässt die Stadt - für einen Augenblick - und kehrt zurück nach Bümpliz.
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Grüsse aus Globocity (6)
Nun also im Zentrum von Globocity angekommen, aber wo ist er, der Trösenbeck? Manhattan, New York? Pudong, Shanghai? Shinjuku, Tokio? Oder eben doch einfach Downtown, Globocity?
Die Gier des beginnenden 21. Jahrhunderts hat im Central Business District von Globocity ihre Spuren hinterlassen. Alles ist gross. Alles scheint mächtig. Rundherum jedoch alles verwüstet. Das Kapital hat sich eine riesige Burg gebaut. Das Fundament wackelt. Die erste grosse Wirtschaftskrise des neuen Millenium hat auch Globocity erreicht. Die Büros stehen leer. Die Mieten sinken. Die Aktien befinden sich im Keller.
Aber auch hier ist klar, sobald die Erholung in Sichtweite kommt, wird der Motor der Gier wieder in Gang gebracht. Bald wird wieder gebaut, investiert, spekuliert, verspekuliert, Glück versprochen... und dann wird es wieder krachen. Ein Kreis, ein teuflischer Kreis.
Lö Trösenbeck versteckt sich in den Schluchten der Grossstadt und hofft, vom fallenden Kapitalismus nicht erschlagen zu werden. Nicht jeder überlebt die wiederkehrende Apokalypse. Aber man wird angepasster.
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Grüsse aus Globocity (5)
Heute beschäftigt sich Lö Trösenbeck mit den Religionen von Globocity. Alle sind da. Die Mormonen und Zeugen Jehovas kämpfen um die Christen, welche die traditionellen Kirchen verlassen. Die Muslime sind gut aufgelegt und freuen sich, wenn man ihre Moscheen besucht, natürlich so lange man die Schuhe auszieht. Hier dürfen die Füsse übrigens stinken. Mit den Juden trinkt Lö Trösenbeck süssen Schnaps aus der Karibik. Die Buddhisten sind immer ein wenig streng. Auch die Protestanten sind nicht gerade locker. Die Katholiken sind alle besoffen. Die Hinduisten im Hintergrund. Und alle tun so, als herrschte in Globocity die Harmonie der Kulte.
Kaum aber ist man unter sich wird geflucht, als wären die Götter im Urlaub. Die Schiiten fluchen über die Sunniten. Die Sunniten fluchen über die Christen. Die Katholiken fluchen über die Protestanten. Die Sikhs fluchen über die Hindus. Die Juden fluchen über die Muslime. Und voller Leidenschaft, ja, mit einer fast bewundernswerten Leidenschaft, versuchen die Zeugen Jehovas die Welt von ihrer Wahrheit zu überzeugen.
Am Schluss setzt sich Lö Trösenbeck mit ein paar sündigenden Mormonen in eine Baruerei und kostet den unkoscheren Saft aus Hopfen und Malz. Als Atheist ist man auch in Globocity am besten aufgehoben, so lange natürlich nicht gerade der Tod vor der Haustüre steht.
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Grüsse aus Globocity (4)
So richtig bewusst wird einem die Tatsache, Globocity erreicht zu haben, wenn man durch die Ladenstrassen, die Shopping Avenues und die Einkaufszentren der Metropole wandelt. Der globale Kapitalismus hat dazugeführt, dass Globocity sich kaum mehr vom Rest der Welt unterscheidet. Nicht selten stellt sich Lö Trösenbeck die Frage: "Bin ich nun in Helsinki? Brünnen? San José, California? Shanghai? Oder gar in doch in Paris?"
Überall das gleiche Angebot, Ausverkauf und Aktionen. Die gleichen Labels. Zuweilen kleine Unterschiede: Im chinesischen Teil von Globocity ist "Playboy" bloss eine Kleidermarke, im Rest der Stadt gibt es unter diesem Namen Magazine zu kaufen, in denen sich nette Damen entkleidet präsentieren.
Lö Trösenbeck wandelt weiter und wundert sich, wie lange er es aushält, nichts zu kaufen.
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Grüsse aus Globocity (3)
In Globocity tauchen fast an jeder Strassenecke Götter auf. Götzenbilder oder Helden werden sie auch genannt. Offensichtlich religiös, präsentiert sich der Buddhismus, die Strömungen des Hinduismus und das Christentum. Steckt man in den kommunistischen Ecken trifft man auf Mao oder Lenin. Zuweilen werden beide kombiniert, der heilige Paulus hat auf einmal die Fratze von Karl Marx. Dann gibt es die Helden der Kolonialzeit oder Helden aus der Literatur und der Fantasie: Micky Maus, Kolumbus, Raffles oder Mannequins.
Aber alle Statuen haben gemeinsam, dass sie zeigen, welcher Glaubensrichtung oder Ideologie die jeweilige Quartiersbewohnerschaft anhängt - oder zu welcher Religion und Staatsphilosophie sie gezwungen wird.
Keine Anarchisten und Atheisten entdeckt Lö Trösenbeck und beschliesst, sollt er länger in Globocity bleiben, eines Tages einem grossen Anarchisten und Atheisten ein Denkmal zu stiften.
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Grüsse aus Globocity (1)
Lö Trösenbeck ist soeben in Globocity angekommen, d.h. am Stadtrand. Die Stadt ist hier noch ziemlich dörflich. Vielleicht liegt es daran, dass jede Kultur versucht, so eigenständig wie möglich da zu stehen. Obwohl die Vorstadtbewohnerinnen fast alle das gleich Betriebssystem benutzen, die gleichen Mobiltelefonmarken kaufen und alle nach Glück und Reichtum streben, gibt es hier noch immer viele verschiedene Farben und Verzierungen.
Die Bewohner sind freundlich und grüssen. Doch plötzlich, nachdem Lö Trösenbeck seine Wanderstiefel ausgezogen hat, spürt er einen stechenden Schmerz. Eine Verbotstafel bohrt sich in seinen Rücken. "Heh", ruft er empört. "Hier darf nicht gestunken werden", ruft die Vorstadtgemeinschaft. "Aber meine Zehen brauchen frischen Wind", erwidert Trösenbeck. "Ja, ja, das sagen sie alle, wenn sie hier ankommen", ruft die Gemeinschaft, "aber wer sich nicht an die Regeln hält, hat nichts in Globocity zu suchen."
Lö Trösenbeck wundert sich. Er hat geglaubt, Globocity sei ein Hort der Toleranz. Wohnen die verschiedensten Völker gemeinsam am gleichen Ort, so verstehen sie sich doch auch. Doch, nein, scheinbar braucht es Regeln und Verbote, auch in Globocity.
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Ferien in Globocity
Das Leben im Herzen Europas mutet im Moment sehr seltsam an. Statt sich in den Sommerferien auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten, schwelgt das Land der Berge in der Nostalgie. Nostalgierig wird zur Zeit auf dem Staatssender eine vermeintlich heroische Rolle Helvetiens während dem Zweiten Weltkrieg zelebriert. Anachronistisch wird der Zweite Weltkrieg in Form einer Reality Soap nachgespielt. Es geht nicht um die Greueltaten Hitlers oder um die Beihilfe, welche die Schweizer Eidgenossenschaft geleistet hat, sondern um eine Darstellung eines romantisch verklärten historischen Bildes.
"Schnell weg", denkt Lö Trösenbeck. Er hat seine Koffer gepackt und ist nach Globocity gereist. Dort, in der utopischen Stadt der Zukunft, wo sich die Kulturen der Welt immer ähnlicher werden, gewaltsam zuweilen, ab und zu auch voller Liebe, verbringt er den Sommer. Ein kleiner Ferienfilmausschnitt hier:
Eine Ausstellung zu Globocity, wo die Welt noch nicht in Ordnung ist, findet in zwei Wochen statt. Alle Informationen dazu gibt es hier.
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