Land der Verbote
Lö Trösenbeck hasst zwar den Karneval, ist aber immer wieder erfreut, wenn mit ein wenig Verschleierung das Männerherz geneckt wird. Ist die Verschleierung erzwungen, insbesondere aus religiös-patriarchalischen Gründen, muss auch Trösenbeck eingestehen, dass darob in ihm ein wenig Ärger kocht. Die Burkas und Tschadors der Musliminnen, die langen Röcke der fundamentalistischen Christinnen oder die langen Ärmel und Perücken der ultraorthodoxen Jüdinnen passen besser in den Kleiderschrank als auf die Strasse. Eine Ausnahme bildet der Turban des Sikh. Welch Pracht! Lö Trösenbeck wär gerne Sikh.
Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, über Gott sowieso. Aber die im Moment laufende Debatte Europas über das so genannte Burka-Verbot ist hirnrissig. Im Land der Berge sind Trägerinnen einer Ganzkörperverschleierung gern gesehene Gäste in Juwelierläden. Unter den Schleiern sollen laut Gerüchten Edelsteine in Millionenhöhe blitzen. Im europäischen Alltag hat Lö Trösenbeck jedoch noch nie eine Ganzkörperverschleierte gesehen. Sichtungen fanden auf seinen Ausflügen nach Ägypten, Süd-Beirut und Malaysia statt, allerdings war auch dort nur eine winzig kleine Minderheit der Damen von Kopf bis Fuss verhüllt. Ein Burka-Verbot in Europa ist also fast so absurd wie ein Burka-Verbot in einem muslimischen Land.
Wahrscheinlich ist ein solches Verbot ebenso sinnvoll wie ein Verbot von Sex in Gummistiefeln. Politiker aber befassen sich gern mit Nebensächlichkeiten, um sich nicht um gravierende Probleme kümmern zu müssen. Opfer werden dann meist Bevölkerungsminderheiten. Das ist heute fast gleich wie vor einem Dreivierteljahrhundert.
Eines dieser kaum beacheteten grossen Probleme Europas ist der wachsende Nationalismus. Wäre es nicht sinnvoll, nationale Symbole zu verbieten? Im Land der Berge könnte man Schweiz-Symbole verbieten: Kreuze, Edelweisse und der ganze Kram. Tulpen aus der holländischen Tourismus-Werbung verbannen. In Spanien den Stierkampf abschaffen. Europa würde vieleicht gerettet.

