In 80 Sekunden um die Welt (6): Transsibirien
Ein wiederkehrendes Phänomen für den oder die Reisende ist der Rat der Weisen, der Weitgereisten. Oft handelt es sich hierbei um Unrat. Und solcher Natur ist der Rat oder die wahrheitbeanspruchende Aussage: "Eine Reise in der transsibirischen Eisenbahn muss man einmal im Leben gemacht haben."Lö Trösenbeck ist der Meinung, eine Reise im Zug von Harleem nach Zandvoort oder von Meiringen nach Brienz oder von New York City nach Baltimore ist genau so wertvoll, aber auch genau so unnötig für ein erfülltes Leben wie die Reise in der transsibirischen Eisenbahn. Nichtsdestotrotz Lö Trösenbeck hat die sinnlose Reise in der sibirischen Eisenbahn angetreten.
In Reiseführern wird die Fröhlichkeit und Geselligkeit der russischen und nicht-russischen Mitreisenden oft angepriesen. Bald stellt Lö Trösenbeck fest, diese Reiseführer wurden von ehemaligen Bürgern der Deutschen Demokratischen Republik geschrieben, welche in ihrer Jugend zum Erlernen der russischen Sprache gezwungen wurden.
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In 80 Sekunden um die Welt (5): Moskau
Lö Trösenbeck ist ein Kind des Kalten Krieges. Man sprach in seiner Kindheit oft von der Roten Gefahr ("Red Scare"), welche vom Roten Platz ("Red Square") ausgeht. Kein Wunder wollte er eines Tages Auge in Auge mit dieser Gefahr stehen. Und die Enttäuschung war riesig: Der rote Platz ist eher ein Plätzchen als ein Platz.
Wegen diesem kleinen Platz, wo kaum eine Kutsche eine Runde drehen kann, herrschte Angst und Schrecken im Westen? Die Lüge des Kalten Krieges ist gefallen. Die Bewunderung des Kaschmirdiebs, der einst ein Kleinflugzeug auf dem Plätzchen zur Landung gebracht hatte, steigt.
Dass Moskau auch grosses zu bieten hat, beweist das Universitätsviertel. Das Hauptgebäude-Hochhaus ist beeindruckend. Weniger beeindruckt sind die Liftwächter des Hauses, als der Moskauwanderer versucht, den Lift in die weiten Höhen zu besteigen. Auch seine Hochstapelkünste als Professor Lö Trösenbeck nützen nichts. Ohne Einladung darf nicht Liftgefahren werden.
Trösenbeck wandert weiter. Am schönsten ist das Wandern im Gorkipark...
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In 80 Sekunden um die Welt (4): Beirut
Immer wenn Lö Trösenbeck in Beirut ist, ist Ramadan. Einerseits bleiben in einigen Kneipen die Bierhähne geschlossen, in anderen hingegen fliesst der goldgelbe Saft besonders während dieser Zeit in Strömen. Zum Beispiel bei Henry im "American Dream". In Lö Trösenbecks Stammkneipe im Quartier Hamra herrscht leise Euphorie. Während Henry dem Reisenden einen billigen Whisky spendiert, erzählt einer der anwesenden Golf-Araber: "Ich komme jedes Jahr hier her. Zum Rauchen und Saufen. Nicht, dass ich in meinem Land nicht zum Rauchen und Saufen komme, aber während dem Ramadan ist es besonders schwer an guten Stoff zu kommen."
Das ist Beirut. Hort für die Unabhängigen der arabischen Welt. Bikini-Girls am TV. Verrücktheit. Und immer wieder ein bisschen Krieg.
Im shiitischen Viertel Dahiye, wo die Hisbollah alles unter Kontrolle zu haben glaubt, besucht Trösenbeck eine Moschee und lässt sich den Unterschied zwischen Schiiten und Sunniten erklären: "Das ist wie bei euch. Katholiken und Protestanten." - "Und was seid ihr dann?", fragt Trösenbeck. "Wir sind natürlich die Katholiken...", erklärt der Mann in der Moschee lachend. Lö Trösenbeck fühlt sich wohl in dieser Stadt.
Hässlichkeit und Schönheit. Das globale Chaos pur. Und immer wieder steigen Damen mit dicken Pflastern auf den Nasen aus dem Lift im Hotel "Mayflower", wo Trösenbeck abgsetiegen ist. Wenige Kilometer im Süden schiesst ein gelangweilter Hisbollah-Kämpfer eine Rakete auf Israel. Und eine Bekannte sagt, sie und ihr Mann hätten immer einen gepackten Koffer bereit.
Im christlichen Viertel Aschrafija gibt es keinen Ramadan, dafür köstlichen Wein. Ist dies das Beirut, wenn nicht gerade Ramadan ist?
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In 80 Sekunden um die Welt (3): Tampere
Lö Trösenbeck ist ein grosser Liebhaber des Filmschaffens von Aki Kaurismäki aus Finnland. Kein Wunder also treibt ihn seine rastlose Reise um die Welt ins Land der Lappen und Suomi.
Mit Erstaunen muss er jedoch feststellen, die Finnen sind nicht, was uns Herr Kaurismäki verspricht. Sie sitzen nicht da, schweigend vor einem Glas Wodka, Trübsal blasend und allzeit bereit zum kollektiven Selbstmord. Nein, die Finnen der globalisierten Welt sind nervöse Plappertaschen. Kaum ein Finne, der nicht ein Gerät am Ohr hält, welches in der ehemaligen Gummistiefelfabrik in einem Vorort von Tampere gefertigt wurde. Es scheint, die Erfindung des mobilen Telefonapparats in der Ortschaft Nokia, hat dazugeführt, dass ein einst schweigendes Volk zum wohl schwatzhaftesten Volk dieses Planeten mutiert ist.
Zum Glück gibt es immer noch Wodka und Finnland rangiert immer noch auf Platz 15 der internationalen Selbstmordratenliste. Ein Besuch lohnt sich. Oder man schaut sich die Filme von...
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In 80 Sekunden um die Welt (2): Krakau
In Krakau lässt es sich am Besten mit einem Fiat 500 durch die lauschigen Gassen flitzen. Dann viel Bier trinken. Und natürlich kistenweise Pierogi (die berühmten polnischen Ravioli) verspeisen.
Lö Trösenbeck gefällt das Dasein in Krakau. Allerdings muss er manchmal tief schaudern, heisst doch die häufigst genannte Touristenattraktion der Gegend "Auschwitz". Manchmal wirkt es fast pervers, wie der Begriff, welcher Symbol steht für die grausamste Vernichtungsindustrie, die wohl je auf diesem Planet gebaut wurde, überall erscheint, als wär es ein Vergnügungspark oder eine hübsche Sehenswürdigkeit.
Auf einem antifaschistischen Nachmittagsspaziergang landet Trösenbeck im ehemals kommunistischen Vorzeigequartier Nowa Huta. Dort stehen die gigantischen Häuserreihen bereit, mit Disziplin das Ideal einer klassenlosen Gesellschaft zu vertreten. Aber auch hier wurde gewendet. Der grosse Platz von Nowa Huta heisst jetzt "Ronald Reagan Platz".
Räuberliberalismus hat also auch das Reich von Jaruzelski und Walesa übernommen. Pierogi fürs Volk. Und Luxusrestaurants, wo ein Steak soviel kostet wie der Monatslohn eines Akademikers, für die wenigen Mächtigen, worunter der übermächtige katholische Klerus. Bier für alle.
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In 80 Sekunden um die Welt (1): Berlin
In Berlin gibt es nicht nur wunderbare Torten, sondern auch die besten Döner der Welt. Berlin ist die Dönerhauptstadt der Welt. Hier sind die Döner so gross, man kann sie besteigen und als Schiffe benutzen. Wenn man zum Beispiel des Nachts den Rändern der Spree folgt, kommt es nicht selten vor, dass man ganze Jugendbanden sieht, welche den Fluss in einem Döner überqueren. Es gibt sogar das Gerücht, ein Seemann habe in Berlin einen Döner bestiegen und sei damit bis ans andere Ende der Welt gereist.
Besonders grosse Döner gibt es in Neukölln. Dieses Quartier hat es dem Weltreisenden Lö Trösenbeck besonders angetan. Es erinnert ihn an seinen Heimathafen Bümpliz im Reich der Berge, obwohl es in Neukölln mehr Deutsche hat. Hier spiegelt sich das globale Chaos besonders schön in den Pfützen des urbanen Alltags.
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